Ein Meilenstein für den kritischen Journalismus in Hamburg
Wenn am 11. Juni 2026 die Branche nach Hamburg blickt, steht der investigative Journalismus im Mittelpunkt. Die Otto Brenner Stiftung (OBS) hat für das Jahr 2026 die Preisträgerinnen und Preisträger ihres renommierten Preises für kritischen Journalismus bekannt gegeben. Mit einer Gesamtdotierung von 36.500 Euro zählt diese Auszeichnung zu den bedeutendsten journalistischen Preisen in Deutschland. Die diesjährige Preisverleihung findet in der Halle 424 in Hamburg statt und markiert einen besonderen Höhepunkt, da die Stiftung erstmals mit dem Verein Netzwerk Recherche kooperiert.
Preisträger und ihre investigativen Leistungen
Die Jury, bestehend aus hochkarätigen Medienexperten wie Nicole Diekmann und Prof. Dr. Heribert Prantl, hatte aus insgesamt 539 Einreichungen zu wählen. Die Auswahl spiegelt die Vielfalt und die hohe Relevanz aktueller gesellschaftlicher Themen wider:
- Hauptpreis (5.000 Euro): Caterina Lobenstein (Die Zeit/Dossier) wird für ihre kontinuierliche Berichterstattung zur Wohngerechtigkeit geehrt. Ihr Beitrag „Das Amt zahlt. Vonovia kassiert“ (Juli 2025) legte offen, wie öffentliche Gelder in Form von Wohngeld indirekt zu massiven Subventionen für Immobilienkonzerne werden.
- Preis für lokale Recherche (3.000 Euro): Diese neue Kategorie würdigt David Fuhrmann und Leon Meckler für ihre Arbeit „Schweinejob“ (Februar 2026). Sie beleuchteten prekäre Arbeitsbedingungen in einem fleischverarbeitenden Betrieb im Raum Münster.
- Newcomer*innenpreis (3.000 Euro): Clara Hoheisel erhält die Auszeichnung für ihren Beitrag „Was es bedeutet, Pflegeeltern zu werden“ (Januar 2026), der im Deutschlandfunk Kultur erschien.
Hintergrund: Warum kritischer Journalismus heute wichtiger denn je ist
Die Otto Brenner Stiftung, die als Wissenschaftsstiftung der IG Metall fungiert, verfolgt mit dem Preis das Ziel, den Leitgedanken „Gründliche Recherche statt bestellter Wahrheiten“ zu fördern. Der Namensgeber Otto Brenner, der von 1956 bis 1972 die IG Metall leitete, betonte bereits 1968 die Notwendigkeit von demokratischer Wachsamkeit und Kritik gegenüber der Obrigkeit. In einer Zeit, in der Desinformation und wirtschaftlicher Druck auf Redaktionen zunehmen, ist die Unterstützung durch Recherche-Stipendien ein essenzieller Baustein für die Pressefreiheit.
Die Neuausrichtung des Preises im Jahr 2025 – mit einem stärkeren Fokus auf den Lokaljournalismus und einer Erhöhung des Fördervolumens – unterstreicht das Bestreben, auch Themen abseits der großen Metropolen sichtbar zu machen. Die vier vergebenen Recherche-Stipendien (insgesamt 25.500 Euro) widmen sich komplexen Themen wie der Kontrolle von Weltrauminfrastruktur, globalen Lieferketten und der Verhinderung von Betriebsräten.
Zusammenarbeit mit Netzwerk Recherche
Die Kooperation mit Netzwerk Recherche ist ein strategischer Schritt. Der Verein, der über 1.300 Mitglieder zählt, setzt sich aktiv für die Stärkung der Qualität im Journalismus ein. Durch die Verleihung im Rahmen der Jahreskonferenz in Hamburg wird die Sichtbarkeit der ausgezeichneten Arbeiten weiter erhöht. Moderiert wird die Veranstaltung von der NDR-Journalistin Damla Hekimoglu.
Häufige Fragen
Wer kann sich für den Otto Brenner Preis bewerben?
Der Preis richtet sich an Journalistinnen und Journalisten, die durch gründliche Recherche gesellschaftliche Missstände aufdecken. Seit 2025 liegt ein besonderer Fokus auf lokaljournalistischen Arbeiten, um die regionale Berichterstattung zu stärken.
Wie werden die Recherche-Stipendien vergeben?
Die Jury wählt aus den eingereichten Bewerbungen Projekte aus, die eine hohe gesellschaftliche Relevanz aufweisen und eine tiefgehende, zeitintensive Recherche erfordern. Die Stipendien sollen den Journalisten ermöglichen, auch komplexe Themen über einen längeren Zeitraum hinweg zu bearbeiten.
Die Preisverleihung am 11. Juni 2026 verspricht ein bedeutendes Ereignis für die Medienbranche zu werden. Sie unterstreicht nicht nur die Bedeutung des investigativen Journalismus für unsere Demokratie, sondern zeigt auch, wie wichtig die finanzielle und ideelle Unterstützung durch Stiftungen ist, um „bestellte Wahrheiten“ durch fundierte Fakten zu ersetzen. Interessierte können sich über die Webseite der Otto Brenner Stiftung weitergehend über die prämierten Beiträge und die Anmeldung zur Veranstaltung informieren.
