Neustrukturierung der Schullandschaft in Neukölln
Das Bezirksamt Neukölln hat im Juli 2026 weitreichende Anpassungen an den Einschulungsbereichen (ESB) für drei zentrale Regionen des Bezirks bekannt gegeben. Diese Entscheidung, die im Amtsblatt vom 3. Juli 2026 offiziell publiziert wurde, reagiert auf eine detaillierte Prognose der Schülerzahlen für die kommenden Schuljahre 2027/2028 bis 2030/2031. Betroffen sind Kinder, die bis zum 30. September 2025 geboren wurden. Die Maßnahme soll sicherstellen, dass die Kapazitäten der Schulen optimal genutzt werden und der steigende Bedarf an Schulplätzen in wachsenden Wohngebieten gedeckt werden kann.
Die Planung basiert auf einer umfassenden Analyse der demografischen Entwicklung und der räumlichen Kapazitäten der betroffenen Standorte. Ziel ist es, eine Überlastung einzelner Schulen zu vermeiden und gleichzeitig den Rechtsanspruch auf einen Schulplatz wohnortnah zu gewährleisten.
Region Neukölln Mitte: Entlastung der Hermann-Sander-Schule
In der Region 3 (Neukölln Mitte) kommt es zu einer Verschiebung zwischen der Hermann-Sander-Schule (08G15) und der Silberstein-Schule (08G21). Der Einschulungsbereich der Hermann-Sander-Schule wird verkleinert, während die Silberstein-Schule ein Gebiet östlich der Hermannstraße hinzugewinnt.
Details zur Gebietsanpassung
- Das betroffene Gebiet erstreckt sich zwischen der Kranoldstraße / Reinholdstraße bis zur Walterstraße / Karl-Marx-Straße.
- Südlich wird die Grenze durch die Juliusstraße definiert.
Hintergrund dieser Entscheidung ist die bauliche Kapazitätsplanung. Während die Silberstein-Schule aktuell rückläufige Anmeldezahlen verzeichnet und auf eine 2,5-Zügigkeit ausgelegt ist, stößt die Hermann-Sander-Schule an ihre Grenzen. Die dort geplante 4,5-Zügigkeit ist aufgrund des erhöhten Platzbedarfs für sonderpädagogische Kleinklassen organisatorisch nicht mehr umsetzbar. Die Rückverlagerung in den Einzugsbereich der Silberstein-Schule korrigiert eine Anpassung, die ursprünglich aufgrund kurzfristiger Auslastungsspitzen bis zum Schuljahr 2022/2023 vorgenommen worden war.
Buckow West: Kapazitäten für wachsende Wohngebiete
In der Region 6 (Buckow West) steht die Wetzlar-Schule (08G29) im Fokus, deren Einschulungsbereich vergrößert wird. Im Gegenzug wird der Einzugsbereich der Christoph-Ruden-Schule (08G26) verkleinert.
Die Wetzlar-Schule übernimmt künftig den Bereich westlich des Buckower Damms, konkret den Heimsbrunner Weg, den Leonberger Ring sowie den Rufacher Weg. Diese Gebiete waren bereits bis zum Schuljahr 2022/2023 Teil des Einzugsbereichs der Wetzlar-Schule. Da viele Eltern in der Vergangenheit den Wunsch geäußert hatten, ihre Kinder an dieser Schule anzumelden, und für das Schuljahr 2026/2027 freie Kapazitäten bestehen, ist dieser Schritt eine logische Konsequenz.
Die Christoph-Ruden-Schule, die baulich auf 21 Klassen (3,5-Zügigkeit) ausgelegt ist, muss hingegen vorausschauend planen. Aktuell werden dort 15 Klassen sowie zwei Willkommensklassen unterrichtet. Da durch die neuen Wohnungen an den Buckower Feldern mit einem deutlichen Zuzug von Familien zu rechnen ist, dient die Verkleinerung des Einzugsbereichs der langfristigen Sicherung der Unterrichtsqualität.
Rudow: Anpassungen an der Michael-Ende-Schule
In der Region 9 (Rudow) wurde eine punktuelle Veränderung vorgenommen, um die Michael-Ende-Schule (08G25) zu entlasten. Ein Teil des Einzugsbereichs wird der Matthias-Claudius-Schule (08G28) zugeschlagen.
Betroffen sind:
- Der südliche Teil des Neudecker Wegs.
- Ein Straßenblock zwischen Selgenauer Weg und Lettberger Straße bis zum Benatzkyweg.
Die Michael-Ende-Schule erreicht derzeit eine Klassenfrequenz von 26 Schülerinnen und Schülern pro Klasse, was die Kapazitätsgrenze ausschöpft. Aufnahmewünsche von Kindern aus anderen Einzugsbereichen können daher derzeit nicht berücksichtigt werden. Da das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten für das Schuljahr 2027/2028 einen weiteren Anstieg der Schulanfängerzahlen prognostiziert, dient diese Maßnahme der präventiven Entlastung.
Hintergrund
Die Neugestaltung der Einschulungsbereiche ist ein fortlaufender Prozess, der durch das Bezirksamt Neukölln gesteuert wird, um auf die dynamische Bevölkerungsentwicklung in Berlin zu reagieren. Die Zuweisung zu einer Schule ist nicht nur eine administrative Entscheidung, sondern ein Instrument der Schulentwicklungsplanung. Faktoren wie der Neubau von Wohnquartieren, die bauliche Kapazität der Schulgebäude sowie der spezifische Raumbedarf für Inklusion und sonderpädagogische Förderung spielen dabei eine entscheidende Rolle. Die aktuelle Anpassung stellt sicher, dass die vorhandenen Ressourcen effizient verteilt werden, um jedem Kind einen Platz in einer wohnortnahen Schule zu garantieren.
Häufige Fragen
Wie erfahre ich, welcher Schule mein Kind nun zugeordnet ist?
Die verbindlichen Einschulungsbereiche werden durch das Bezirksamt Neukölln festgelegt. Eltern können sich bei Fragen zur Zuordnung ihres Wohnortes an das zuständige Schulamt wenden oder die offiziellen Veröffentlichungen im Amtsblatt von Berlin einsehen.
Warum werden Einschulungsbereiche überhaupt geändert?
Änderungen dienen primär dazu, die Schülerzahlen an die baulichen Kapazitäten der Schulen anzupassen. Wenn in einem Gebiet viele neue Wohnungen entstehen oder die Schülerzahlen sinken, müssen die Einzugsbereiche neu austariert werden, um eine Überlastung oder Unterbelegung einzelner Standorte zu verhindern.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Neuköllner Bildungsverwaltung mit diesen Maßnahmen auf die prognostizierten Schülerzahlen der kommenden Jahre reagiert. Durch die Feinjustierung der Einzugsbereiche in Neukölln Mitte, Buckow West und Rudow schafft der Bezirk die notwendigen Rahmenbedingungen für einen geordneten Schulstart der kommenden Jahrgänge.
