Ein künstlerischer Blick auf das Ende der Bilderflut
In einer Zeit, in der wir täglich von unzähligen visuellen Reizen überflutet werden, stellt sich die drängende Frage: Was bleibt, wenn die Bilder uns verlassen? Die Galerie im Saalbau in Berlin-Neukölln widmet sich dieser philosophischen und ästhetischen Fragestellung in ihrer kommenden Einzelausstellung „Nach Bild. Under Stimulation“. Ab dem 11. Juli 2026 lädt der Künstler Vinzenz Aubry das Publikum dazu ein, die Distanz zwischen Mensch und Welt neu zu vermessen und die eigene Wahrnehmung in partizipativen Erfahrungsräumen zu hinterfragen.
Die Ausstellung, die am 10. Juli 2026 feierlich eröffnet wird, versteht sich nicht nur als bloße Werkschau, sondern als ein Manifest. Aubry thematisiert eine Gesellschaft, die durch das Visuelle eine zunehmende Entfremdung erfährt. Anstatt uns zu verbinden, so die These des Künstlers, erzeugen die modernen Bilderwelten eine Barriere, die uns von der unmittelbaren Realität trennt. Wer sich auf die Installationen einlässt, wird selbst zum Teil des Werks – Kamera und Leinwand zugleich.
Drei raumgreifende Installationen im Fokus
Der Künstler nutzt die Räumlichkeiten der Galerie im Saalbau, um drei großformatige Installationen zu präsentieren, die unterschiedliche Sinne ansprechen und den Besucher physisch in das Geschehen einbinden:
- „Looking at the Sun“: Dieser Experimentalfilm basiert auf der intensiven Erfahrung einer totalen Sonnenfinsternis. Er erforscht die physiologischen Grenzen des Sehens, die Reizüberflutung und die paradoxe Sehnsucht, direkt in einen Stern zu blicken.
- „Vibrationen für Androiden II“: Eine faszinierende Komposition im Infraschallbereich. Da sich die Klänge unterhalb der menschlichen Hörschwelle bewegen, entfaltet sich das Werk eher als körperliche Erfahrung denn als klassisches Hörerlebnis. Ein „Orchester“ aus resonierenden Körpern simuliert die Schwingungen von Walen, Flüssen und Raketen.
- Robotergestützte Interaktion: Durch den Einsatz von Technologie werden geheime Botschaften übermittelt, die sich mit der „schwarzen Sonne“ und dem „gelben Quadrat“ auseinandersetzen – eine Auseinandersetzung mit der Geometrie und der menschlichen Kognition.
Hintergrund: Warum das Visuelle unsere Wahrnehmung prägt
Die Ausstellung „Nach Bild. Under Stimulation“ ist ein Reflexionsangebot für eine Ära, in der digitale Bildschirme und visuelle Medien unseren Alltag dominieren. Das Bezirksamt Neukölln bietet mit der Galerie im Saalbau regelmäßig eine Plattform für zeitgenössische Kunst, die den Diskurs über gesellschaftliche Entwicklungen fördert. Die Wahl des Künstlers Vinzenz Aubry unterstreicht den Anspruch, Kunst nicht als statisches Objekt, sondern als dynamischen Prozess zu begreifen. Die Auseinandersetzung mit Infraschall und die Einbindung des Publikums als aktiven Teil der Installation spiegeln den Wunsch wider, die passive Konsumhaltung gegenüber Bildern aufzubrechen. Es geht um die Rückbesinnung auf eine „universelle Sprache“, die weit über das bloße Sehen hinausgeht.
Begleitprogramm und Informationen für Besucher
Um die Ausstellung zu vertiefen, bietet die Galerie im Saalbau ein umfangreiches Rahmenprogramm an. Interessierte Besucher haben die Möglichkeit, tiefer in die Gedankenwelt des Künstlers einzutauchen:
Terminübersicht:
- 10. Juli 2026, 18 Uhr: Eröffnung der Ausstellung.
- 24. Juli 2026, 18 Uhr: Artist Talk – Ein Gespräch über die Entstehung der Werke.
- 4. September 2026, 18 Uhr: Performance „Dreiviertelsieg über die Sonne“ (in Zusammenarbeit mit Leon Eckard).
- 6. September 2026, 16 Uhr: Finissage zum Abschluss der Ausstellung.
Die Ausstellung ist vom 11. Juli bis zum 6. September 2026 täglich von 10 bis 20 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Eintritt ist frei. Die Galerie im Saalbau befindet sich in der Karl-Marx-Straße 141, 12043 Berlin. Weitere Informationen zu kulturellen Angeboten in der Stadt finden Sie auch in unserem Kultur-Guide für Berlin.
Häufige Fragen
Muss ich für den Besuch der Ausstellung Eintritt zahlen?
Nein, der Besuch der Ausstellung „Nach Bild. Under Stimulation“ in der Galerie im Saalbau ist kostenfrei. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, die Räume zu erkunden.
Ist die Ausstellung für Kinder geeignet?
Die Installationen arbeiten mit intensiven Reizen, Infraschall und philosophischen Konzepten. Während der Besuch grundsätzlich offen ist, empfiehlt sich für jüngere Kinder eine Begleitung durch Erwachsene, um die komplexen Themen der Ausstellung gemeinsam zu erschließen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Vinzenz Aubry mit seiner Einzelausstellung einen wichtigen Beitrag zur Debatte über unsere visuelle Kultur leistet. Durch die Verbindung von Technologie, Klang und Raum schafft er eine Atmosphäre, die zum Innehalten und Nachdenken anregt. Wer sich auf dieses Experiment einlässt, wird die Welt der Bilder nach dem Besuch in der Karl-Marx-Straße möglicherweise mit anderen Augen sehen.
