Der Berliner Bezirk Mitte bereichert seine Kulturszene im Sommer um zwei bemerkenswerte Veranstaltungen, die gesellschaftskritische Themen und künstlerische Perspektiven in den Vordergrund stellen. Laut einer im Juli 2026 veröffentlichten Mitteilung des Bezirksamts Mitte widmen sich die kommenden Kulturprojekte sowohl den veränderten Arbeitsbedingungen in der modernen Plattformökonomie als auch der Zukunft des Museums als einem demokratischen Ort. Die Initiativen richten sich an alle Bürgerinnen und Bürger, die sich für soziopolitische Diskurse und zeitgenössische Kunst interessieren.
Arbeitswelten im Wandel: Die Ausstellung „Counterplay“ in Moabit
Den Auftakt macht am Donnerstag, den 23. Juli 2026, um 18 Uhr die feierliche Eröffnung der Einzelausstellung „Counterplay“ im Studio | Galerie Nord, die sich in der Turmstraße 75 in Moabit befindet. Die Schau wurde von der unabhängigen Kuratorin Jorgina Stamogianni kuratiert und stammt von der international renommierten, polnisch-britischen Künstlerin Alicja Rogalska. Im Zentrum der forschungsbasierten Präsentation steht eine intensive Auseinandersetzung mit den Arbeitsbedingungen in plattformbasierten Wirtschaftsformen.
Für dieses Projekt hat die Künstlerin eng mit Berliner Fahrradkurierinnen und -kurieren zusammengearbeitet. Gemeinsam wurden nicht nur die alltäglichen Herausforderungen beleuchtet, sondern auch alternative Zukunftsentwürfe für das Arbeitsleben skizziert. Die Besucherinnen und Besucher erwarten mediale Arbeiten wie:
- Installationen, die das Verhältnis von Mensch und digitaler Dienstleistung hinterfragen
- Videoarbeiten mit direkten Einblicken in den Berufsalltag der Kurierdienstleistenden
- Performative Elemente, die den Ausstellungsraum in einen Ort des Austauschs verwandeln
Begleitet wird die Schau von einem interdisziplinären Begleitprogramm. Hier kommen Wirtschaftsanthropologinnen und -anthropologen, Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Science-Fiction-Fachleute zusammen, um spielerisch spekulative Wirtschaftsmodelle zu erproben.
Das radikaldemokratische Museum: Vortrag und Gespräch im Mitte Museum
Nur einen Tag später, am Freitag, den 24. Juli 2026, um 19 Uhr, verlagert sich der kulturelle Fokus in den Garten des Mitte Museums. Im Mittelpunkt steht hierbei die Frage nach der demokratischen Sprengkraft von Kultureinrichtungen. Der renommierte Kulturwissenschaftler und Kurator Prof. Joachim Baur hält einen Vortrag über das Konzept des „radikaldemokratischen Museums“, das maßgeblich auf Überlegungen von Nora Sternfeld aus dem Jahr 2018 zurückgeht.
Ausgangspunkt für die Ausführungen ist der im selben Jahr herausgegebene Sammelband „Das radikaldemokratische Museum revisited. Handlungsräume für Bildung, Emanzipation und Öffentlichkeit“. Angesichts eines spürbaren Kulturkampfs von rechts und einer zunehmend polarisierten politischen Öffentlichkeit widmet sich die Veranstaltung der Verantwortung öffentlicher Institutionen. Dabei wird erörtert, wie Museen ihre historischen Verflechtungen kritisch beleuchten und als Schutzräume für gesellschaftliche Partizipation dienen können.
Podiumsdiskussion und Fachreihe CAMPI
Im Anschluss an den Vortrag führt Prof. Joachim Baur ein vertiefendes Gespräch mit der Kuratorin und Kulturwissenschaftlerin Olga Schubert. Das Publikum ist ausdrücklich eingeladen, sich an der Debatte über die künftige Ausrichtung musealer Räume zu beteiligen. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist kostenfrei, und eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich.
Das Gespräch findet im Rahmen der Veranstaltungsreihe CURATORIAL INTENSIVE 2026 unter dem Titel „Outreach und Vermittlung – von wem für wen?“ statt. Diese Initiative ist Teil des bezirklichen Programms CAMPI (Curating and Management in Public Institutions) des Fachbereichs Kunst, Kultur und Geschichte, welches darauf abzielt, neue Impulse für die kuratorische Arbeit in der Hauptstadt zu setzen.
Häufige Fragen
Wann und wo findet die Ausstellung „Counterplay“ statt?
Die Eröffnung ist für Donnerstag, den 23. Juli 2026, um 18 Uhr im Studio | Galerie Nord in der Turmstraße 75 im Ortsteil Moabit angesetzt.
Ist für die Veranstaltungen im Mitte Museum ein Eintritt zu entrichten?
Nein, die Teilnahme an der Veranstaltung mit Prof. Joachim Baur und Olga Schubert im Garten des Mitte Museums am 24. Juli 2026 ist komplett kostenlos. Es ist zudem keine Anmeldung im Voraus notwendig.
Weitere Informationen zu den Ausstellungen und dem flankierenden Rahmenprogramm stellt das Bezirksamt Mitte über seine offiziellen Kanäle sowie direkt über die beteiligten bezirklichen Kultureinrichtungen bereit.
