In der Bundeshauptstadt formiert sich ein neues Bündnis, um den Kampf gegen soziale Benachteiligung und Kinderarmut auf eine neue Ebene zu heben. Mit dem neu ins Leben gerufenen Forum Bildung und Teilhabe Mitte ist im Berliner Bezirk Mitte ein fachübergreifendes Netzwerk an den Start gegangen, das sich gezielt der Optimierung von Unterstützungsleistungen widmet. Die Initiative wurde von Victoria Aharonov aus dem Bezirksamt sowie Esther Feiertag von der Organisation Viva Equality gUG ins Leben gerufen. Ziel dieses Zusammenschlusses ist es, die praktischen Hürden beim Zugang zum bekannten Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) drastisch abzubauen und bürokratische Prozesse für betroffene Haushalte spürbar zu erleichtern.

Ein Auftakt mit starker Resonanz und klaren Zielen

Bereits beim offiziellen Auftakttreffen, das am 2. Juli 2026 stattfand, kam eine breite Allianz aus verschiedenen gesellschaftlichen und administrativen Bereichen zusammen. Neben Vertretern aus der lokalen Politik und der Bezirksverwaltung nahmen auch Akteure aus Kindertagesstätten, Schulen, dem regionalen Gesundheitswesen sowie aus freien Trägern der Wohlfahrtspflege an den Beratungen teil. Im Zentrum der Gespräche standen dabei die enormen Herausforderungen im alltäglichen Antrags- und Bewilligungsdschungel. Die Beteiligten analysiertenungslos die bestehenden Stolpersteine, die den Familien den Weg zu zustehenden Finanzhilfen und Förderungen versperren.

Zu den zentralen Kritikpunkten, die in den Arbeitsgruppen intensiv debattiert wurden, zählten unter anderem folgende Punkte:

  • Die enorme Komplexität der amtlichen Antragsformulare und unklare behördliche Zuständigkeiten.
  • Eine oftmals nur geringe Bekanntheit der vielfältigen BuT-Leistungen direkt bei den betroffenen Familien.
  • Mängel in der behördenübergreifenden Vernetzung zwischen den verschiedenen beteiligten Stellen.
  • Langwierige bürokratische Hürden bei notwendigen Kostenerstattungen im Alltag.

Gemeinsam wollen die Akteure nun bestehende Handlungsspielräume auf lokaler Ebene optimal nutzen. Das übergeordnete Ziel besteht darin, die Bewilligungsverfahren radikal zu verschlanken und finanzielle Hilfen deutlich schneller, unbürokratischer und vor allem zielgerichtet zu den bedürftigen Menschen zu transportieren.

Perspektivwechsel in der Verwaltung: Der Mensch im Mittelpunkt

Ein wesentlicher Aspekt des neuen Netzwerks liegt in einem grundlegenden Wandel der Sichtweise. Statt die Verantwortung für fehlerhafte Anträge oder nicht abgerufene Leistungen bei den Bürgerinnen und Bürgern zu suchen, richtet sich der Blick nun kritisch auf die Strukturen der Behörden selbst. Victoria Aharonov, die als Koordinatorin für Kinder- und Familienarmutsprävention im Bezirksamt Mitte von Berlin tätig ist, fasst diesen Ansatz prägnant zusammen: Wenn über gesellschaftliche Teilhabe gesprochen werde, müsse man die Perspektive bewusst umdrehen. Es gehe nicht darum, was Familien vermeintlich besser machen müssten, sondern wie Politik und Verwaltung ihre eigenen Prozesse an der realen Lebenswelt der Menschen ausrichten können.

Auch die Partner von der Zivilgesellschaft unterstützen diesen Kurs voll und ganz. Esther Feiertag von der BuT-Beratung Berlin bei Viva Equality gUG betont aus ihrer täglichen Beratungspraxis heraus, dass mangelnde Motivation aufseiten der Familien niemals das eigentliche Problem sei. Vielmehr scheiterten viele Vorhaben an komplizierten bürokratischen Wegen und undurchsichtigen Zuständigkeitsbereichen. Das neue Forum bifte daher den dringend benötigten geschützten Raum, in dem Verwaltungsexperten und Praktiker Hand in Hand an messbaren Verbesserungen arbeiten können.

Hintergrund

Das Bildungs- und Teilhabepaket soll Kindern und Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben sowie an schulischer Bildung ermöglichen. Dazu gehören unter anderem Zuschüsse für das Mittagessen in Kita und Schule, Kostenübernahmen für Klassenfahrten, Lernförderung sowie Bedarfe für den Schulbedarf. Trotz dieser gesetzlichen Ansprüche bleiben viele Gelder ungenutzt, weil die Beantragung oft als zu kompliziert empfunden wird oder Hürden im Verwaltungssystem existieren. Das im Sommer 2026 gestartete Forum in Mitte setzt genau an diesem Punkt an, um kommunale Spielräume zur Entbürokratisierung zu nutzen und als Blaupause für künftige Reformen im gesamten Stadtgebiet zu dienen.

Christoph Keller, der als Bezirksstadtrat für Jugend, Familie und Gesundheit die Schirmherrschaft über das Projekt trägt, unterstreicht die Notwendigkeit einer bürgernahen Modernisierung. Eine fortschrittliche Verwaltung müsse sich konsequent an den tatsächlichen Lebensumständen der Bevölkerung orientieren. Das neue Forum schaffe die historische Chance, wertvolles Praxiswissen direkt mit administrativen und politischen Entscheidungsträgern zu verknüpfen.

Häufige Fragen

Welche konkreten Ziele verfolgt das Forum Bildung und Teilhabe Mitte?

Das Netzwerk will Antrags- und Bewilligungsverfahren für das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) vereinfachen, bürokratische Hürden abbauen und dafür sorgen, dass finanzielle Leistungen schneller und unkomplizierter bei den betroffenen Familien ankommen.

Wer ist an diesem fachübergreifenden Netzwerk beteiligt?

Neben dem Bezirksamt Mitte und der Organisation Viva Equality gUG sind Vertreterinnen und Vertreter aus Kitas, Schulen, der lokalen Politik, dem Gesundheitswesen sowie diverse freie Träger und Beratungsstellen in den Prozess eingebunden.

Das Forum versteht sich in den kommenden Monaten als agile Arbeitsplattform, auf der konkrete, praxistaugliche Lösungsansätze erarbeitet werden. Ziel ist es, die verschiedenen behördlichen Zuständigkeiten so miteinander zu verzahnen, dass der Zugang zu wichtigen Unterstützungsleistungen für Familien in Berlin dauerhaft erleichtert wird.